Es ist schon ein bisschen her seit ich das erste mal von Drucksensoren in einer Einlegesohle gehört habe. Ideal zur Analyse des Laufstils während des Laufes und danach. Das klingt nach vielen Daten, Bluetooth und High-Tech aber nicht nach Natural Running. Überraschenderweise lässt sich Sensorik aber sehr gut mit Natural Running vereinbaren.

Der evalu Laufsensor ist eine Einlegesohle mit Bluetooth Transmitter, welche in den Schuh unter oder statt der eigentlichen Einlegesohle gelegt wird. Zugegeben, das macht die Sohle etwas dicker, nach kurzer Eingewöhnung merkt man davon praktisch nichts mehr.

Dieser Laufensor ist „nur“ ein Drucksensor, aber über die komplette Fläche der Sohle. Keine 3-5 Druckpunkte sondern ein einzelner Sensor. Damit sollte theoretisch sehr genaue Druckmessung mit jedem Teil des Fusses möglich sein.

Von einem günstigen Gadget sind wir hier allerdings weit entfernt. Mit 199€ schlägt das System zu Buche. Wenn ich betrachte was ich für Schuhe, Laufuhren, Klamotten, Herzfrequenzmesser, Kopfhörer und sonstigen Schnickschnack ausgegeben habe, machen es 200€ irgendwie auch nicht mehr fett. Für Leser von naturalrunning und Hörer von Bits und so findet ihr aber unten einen 10% Rabattcode.

Aber kommen wir zur eigentlichen Frage: Warum?

Anfangs dachte ich nicht, welche Daten man aus Drucksensordaten wohl ziehen kann. Klar ist es spannend zu wissen ob man nun über die Ferse oder tatsächlich über Vorder- oder Mittelfuß läuft und man freut sich vielleicht noch mehr, dass das auch nach 10km so ist, aber das wäre vermutlich dann doch zu wenig Information sich teure Sensorik in einen Schuh zu stecken. Die Antwort auf die Frage „Warum?“  ist also: „Weil man als Läufer viele Daten zur Hand bekommt, die einem weiterhelfen können und evalu damit in der Lage ist einen anders zu coachen als das bisher mit sonstigen Sensoren möglich ist.“

Welche Metriken bekommt man?

Pace Match

Direkt nach einem Lauf zeigt die App einem an wie gut man sich an die Zielpace gehalten hat. Man bekommt die Kern-Zeit angezeigt (ausserhalb Warmup und Cooldown) und sieht dort recht schnell wie effektiv das Training war und man in der Lage war sich an die Vorgaben gehalten hat.

Flugzeit

Wem wichtig ist wie lange man komplett in der Luft war, der sieht hier auf einen Blick seine Flugzeit.

Symmetrie

Hier sieht man genau wo man auf dem Fuß aufkommt und wie das Verhältnis zwischen linkem und rechtem Fuß ist.

GPS-Track

Natürlich zeichnet die App auch einen GPS-Track mit, damit man später angeben kann wo man überall langgelaufen ist.

Ich will mehr Details!

Wem diese Info nicht reicht, der kann evalu die Erlaubnis geben genau in die Daten zu sehen und einem eine detaillierte Auswertung zukommen zu lassen.

Paceerkennung

Das vermutlich beste Feature, welches alleine den Laufsensor für mich rechtfertigt, ist die unfassbar schnelle und genaue Paceerkennung. Über den Druck, Kräfte und Position bei der Landung sowie die Dauer und Kraft ist evalu offenbar, unter Zuhilfenahme irgendwelche Mathemagie, in der Lage die aktuelle Pace in einer erschreckenden Genauigkeit und Geschwindigkeit zu messen. Wenn meine Garmin noch Deltas meiner Pace berechnet, sagt mir evalu schon wenn ich zu schnell oder zu langsam werde.

Dadurch dass der Coach mir verzögerungsfrei sagen kann ob ich innerhalb des Vorgabebereichs liege ist der App-Audiocoach in der Lage mich bestmöglich zu begleiten.

(Die dicken Linien sind immer die gemittelten Werte.)

Im Graph sieht man sehr schön wie träge und ungenau die GPS-Pace aussieht und wie schnell die Pace bei evalu reagiert. Dabei ist es egal wie dicht der Blätterwald über einem oder wie lang der Tunnel ist, da keine GPS Verbindung benötigt wird. Die Pace Erkennung ist für mich tatsächlich das Knallerfeature und man muss das wohl mal erlebt haben um zu verstehen warum das so gut ist.

Bodenkontaktzeit

Wer sich damit auskennt sagt „weniger Bodenkontakt ist besser“ oder „Mehr Flugzeit ist geiler“. Kann sein.

Was tatsächlich aber spannend ist, ist die Info inwiefern sich die Bodenkontaktzeit zwischen den Füßen unterscheidet. Idealerweise sollte das ausgeglichen sein, ist das nicht der Fall, ist jedem selbst überlassen ob man mit gezieltem Training diese Dysbalance angeht. Die Möglichkeit besteht ausserdem dass evalu solche Dinge in Zukunft automatisiert analysiert und gezielt Training dafür anbietet.

Fussaufsatz

Diese Metrik ist natürlich für jeden spannend, der seinen Laufstil von Fersenlauf auf Mitten/Vorderfusslauf umstellen will. Hier sieht man sehr genau wo man auf dem Fuß aufkommt. So erkennt man recht gut die tatsächliche biomechanischen Eigenschaften seines eigenen Laufstils. In absehbarer Zukunft wird es ein Update der App geben, in dem man bessere Charakteristika seines Laufstils bekommt. Das ist natürlich spannend, da man so sehen kann inwiefern belastungen Auftreten können und vielleicht hilft es einem dabei den richtigen Schuh zu wählen.

Dämpfung

Unterschiedliche Beine dämpfen aus verschiednen Gründen unterschiedlich. Auch hier kann man wieder sehen ob man ggf mit Training gegensteuern will.

Kadenz

Die Schrittgeschwindigkeit ist oft spannend zu sehen um zu verstehen ob man bei höherer Pace längere Schritte oder mehr Schritte pro Zeiteinheit macht. Ich persönlich empfinde eine höhere Anzahl kleinerer Schritte als energiesparender und kann damit „live“ gegensteuern wenn meine Kadenz zu sehr sinkt.

Ist es das Wert?

Ich bekomme berechtigtes Feedback, dass ja eine Garmin mit Garmin Pulsgurt (der ein Accelerometer enthält) auch Pace und Bodenkontaktzeit sehen kann. Die Antwort darauf ist „ja, aber…“. Die Pace Messung per GPS fand ich immer als okay. Es war für mich normal, dass mein Pacealarm an der Uhr losgeht weil ich zu schnell unterwegs bin, ich daraufhin bremse und bis GPS die Uhr das aus dem GPS rausgerechnet hat war ich schon zu langsam. Die Geschwindigkeit der Paceerkennung per evalu muss man mal erlebt haben. Auch die Bodenkontaktzeit per Accelerometer ist natürlich etwas weniger genau als eine per Sensor unter dem Fuß gemessene. Vermutlich ist die hohe Präszision für Profisportler noch interessanter aber ich bin sehr gespannt was die Zukunft des Produktes auch für Amateure bringt.
Das komplette Coaching ist damit sehr individuell und evalu ist in der Lage mir in Zukunft personalisierte Tipps zu jedem Lauf geben zu können. Klar sagt mir ein Nike+ Run Club dass ich heute langsamer war als geplant, aber echte Charakteristika fehlen da ein bisschen.

In der Folge #533 vom Bits und so Podcast habe ich ausführlich über das Produkt gesprochen.

Ob das für einen persönlich nun hilfreich genug klingt, darf jeder selbst entscheiden. Wer in oder um München ist, kann sich zu einem kostenfreien Testrun bei evalu verabreden um das System auszuprobieren. Für mich selbst ist es das Wert und ich bin sehr gespannt wie mich das System bis zu meinem Marathon unterstützt.